Viertelfinale gegen Italien


Wenn man nicht genau gewusst hätte, dass das Krimiformat „Tatort“ immer sonntags um 20:15 Uhr auf der ARD läuft, hätte man denken können, die Sendung wurde vorverlegt. Die Viertelfinalpartie Deutschland gegen Italien, um es vorweg zu nehmen, war in jedem Fall so spannend wie eine Sonderermittlung von Thiel und Boerne im Frankreichurlaub.

Nach „unserem“ fulminanten 3:0-Erfolg gegen die Slowakei war das Viertelfinale eine klare Sache gewesen. Sobald allerdings feststand, dass es zum Fussballduell gegen Italien kommt, machte sich die erste Ernüchterung breit. Schließlich hatte die Deutsche Nationalmannschaft die letzten Jahre alle wichtigen Matches gegen die Squadra Azzurra verloren. Konnte es dieses Jahr also endlich gelingen, das viel zitierte „Italotrauma“ zu überwinden?

Tagesziel: Einzug ins Halbfinale

Für die Analysten und Statistiker unter uns gab es zumindest einen Hoffnungsschimmer:

  1. Deutschland hat noch nie ein EM-Viertelfinale verloren (wenn wir überhaupt soweit kamen! :-)).
  2. Gegen Italien gewann das DFB-Team zuletzt das Testspiel im März 2016 in München klar mit 4:1.

Und so machten sich wieder einige unserer Freunde des Fußballs Hessen auf die lange Reise nach Bordeaux, um das „eigentliche Finale“ live im Stadion zu verfolgen und ihrer Mannschaft beizustehen.

Startaufstellung

Deutschland
Neuer – Höwedes, Boateng, Hummels – Kimmich, S. Khedira (16. Schweinsteiger), Kroos, Hector – T. Müller, Gomez (72. Draxler), Özil

Italien
Buffon – Barzagli, Bonucci, Chiellini (120. Zaza) – Florenzi (86. Darmian), Sturaro, Parolo, Giaccherini, De Sciglio – Pellè, Martins (108. Insigne)

21:00 Anpfiff im Stade Matmut-Atlantique, Bordeaux

Gleich zu Beginn des Spiels – noch rollte kein Ball – der erste Fan-Aufreger: Wieder hatte Bundestrainer Jogi Löw das Bedürfnis, sich mit einer kompletten Umstellung der Mannschaft auszuprobieren. Obwohl es in den vier Partien zuvor einen positivien Aufwärtstrend gegeben hatte, wurde Julian Draxler durch einen dritten Innenverteidiger, Benedikt Höwedes, ausgetauscht. Der Plan: Ein Dreierkettenspiel soll die Italiener in Schach halten und bezwingen. So etwas könnte man im Übrigen schon fast Russisch Roulette nennen.

Wie dem auch sei, der Taktikwechsel brachte letztlich nicht den gewünschten Erfolg, bliebt am Ende mit viel Glück im Elfmeterschießen aber ohne Folgen.

Das Spiel in der ersten Halbzeit war zunächst ausgeglichen und geprägt von einem gegenseitigen Auskundschaften der Protagonisten. Dann, besonderes Pech für die Deutschen, Sami Khedira verletzte sich im Zweikampf so stark, dass er wie sich später herausstellt, für den Rest der EM ausfällt. Für ihn kam Basti Schweinsteiger ins Turnier.

Erst nach 65. Spielminuten nahm der Tatort Bordeaux schließlich Fahrt auf. Mesut Özil traf zum 1:0. Nur 13 Minuten später der Konterschock, Italien glich wegen eines Handspiels durch Boateng zum 1:1 aus. Danach blieb es, inkl. Verlängerung, nur bei Torversuchen auf beiden Seiten. Eine Großchance vergab J. Draxler in der 106. Minute und das vorzeitige deutsche Weiterkommen rückte immer weiter in Ferne.

Es kam wie es kommen musste, zum Showdown, dem Elfmeterschießen! Spätestens jetzt war die Spannung unerträglich. Elfmetergaranten wie Özil, Thomas Müller und Schweinsteiger verschießen ihre Bälle gnadenlos. Aber auch Italien patzt bzw. Manuel Neuer hält. Mindestens zweimal kam der Gedanke auf: „Ok, das wars, Goodbye Germany!“ Doch dann wieder Aufatmen, Italien machte es nicht besser. Ein Wechselbad der Gefühle oder die sonntägliche Tatort-Frage, „Wer ist der Täter?“!

Dann endlich die Auf(Er)lösung, M. Neuer hält Italiens Matteo Darmians Elfer und Jonas Hector punktet gegen Buffon:

CIAO ITALIA, WIR SIND IM HALBFINALE!

Seit gestern steht fest, am nächsten Donnerstag spielt die deutsche Equipe in Marseille gegen Gastgeber Frankreich. Die Franzosen hatten Überraschungsgegner Island mit 5:2 zurück auf die Insel geschickt.

Ergebnis 7:6 n.E.

1:0 Özil (65.)
1:1 Bonucci (78./Handelfmeter)

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1:2 Insigne (122./Elfmeterschießen)
2:2 Kroos (123./Elfmeterschießen)
2:3 Barzagli (126./Elfmeterschießen)
3:3 Draxler (129./Elfmeterschießen)
3:4 Giaccherini (132./Elfmeterschießen)
4:4 Hummels (133./Elfmeterschießen)
4:5 Parolo (134./Elfmeterschießen)
5:5 Kimmich (135./Elfmeterschießen)
5:6 De Sciglio (136./Elfmeterschießen)
6:6 Boateng (137./Elfmeterschießen)
7:6 Hector (139./Elfmeterschießen)