U-21-Fußball-Europameisterschaft


Portugal – Schweden, 0:0, 3:4 n.E., U-21-Fußball-Europameisterschaft, Eden Arena Prag, 18.867 Zuschauer, 30.06.2015, 20:45 Uhr

Damit sind die guten Vorsätze nach mehr als einem halben Jahr hinfällig. Der eigentliche Plan euch nach Rückkehr von einer Tour maximal eine Woche auf den Bericht und die Bilder warten zu lassen ist gescheitert. Aber bei über 35 Grad in der Bude fehlt dann doch die Laune sich an den Laptop zu setzen und in die Tasten zu hauen. Da hat man doch von kaltem Gerstensaft am erfrischenden See mehr.

Jetzt aber zum U21 EM-Finale. Die Karten für das Finale besorgte ich bereits am 10.02.15 über das Onlineportal. Der Preis für die Print@home-Tickets lag bei unter 10€ für einen Sitzplatz im Hintertor-Bereich. Bereits im Februar buchte ich auch ein zentral gelegen und kostenlos stornierbares Doppelzimmer in einem 3*** Hotel (ca. 70€ p.N.) in der Innenstadt von Prag. Wenige Tage vor dem Finale wurde ich dann allerdings auf das im Stadion befindliche Hotel und den reduzierten Preis aufmerksam gemacht. Ein Doppelzimmer im 4-Sterne Hotel direkt im Stadion für 40€. Auf Grund des Angebots wurde das Hotel also kurzerhand gewechselt.

Am 31.07. ging es bereits gegen 06:30 Uhr mit dem Auto auf in Richtung tschechische Hauptstadt.

Kurz vor der Grenze wurden wir durch ein Verkehrsschild auf die Vignette aufmerksam gemacht. Stimmt, da war ja was. Mit Aufkleber auf der Windschutzscheibe und 12€ ärmer ging es dann ohne Probleme und bei einem Benzinpreis von 1,16€ p. Liter Super weiter zum Hotel. Das Parkticket für die gegenüberliegende Mall war für unser Gefährt im Hotelpreis inklusive. So konnten wir unser Auto kostenneutral und sicher für eine Nacht abstellen.

Das Hotel befindet sich unmittelbar hinter der Hintertortribüne, linksseitig der Haupttribüne. Es gibt zwei Zimmer, aus denen man einen perfekten Blick ins Stadioninnere hat.

Das Stadion selbst wirkt von außen eher wie ein Einkaufszentrum bzw. ein Hotel und versprüht keinerlei Fußballcharme. Beim Einchecken durften wir dann erfahren, welcher Preis für eine Übernachtung im Dreibettzimmer aufgerufen wurden. Wir staunten nicht schlecht, als die Rezeptionistin dem fragenden Gast 400€ pro Nacht antwortete. Ja, Euro und nicht Kronen. Mein zweites Mal in Prag sollte erneut mit dem obligatorischen Sightseeing-Programm starten. Mit der Tram ging es von der Hauptstraße aus in Richtung Zentrum. Nach 15 Minuten Fahrt und einem 5-minütigen Fußlauf erreichten wir das Nationalmuseum.

Bei unserer Tour durch die Stadt fielen uns zahlreiche gelb eingekleidete schwedische Fans auf, die bereits mittags gute und friedliche Stimmung in der Stadt verbreiteten. Der Rathausplatz bot bei strahlendem Sonnenschein und kaltem Pivo optimale Bedingungen um dem Treiben Aufmerksamkeit zu schenken.

Mit der Bahn ging es dann von der anderen Seite der Moldau zurück in Richtung Hotel. Während der 40minütigen Fahrt in Richtung Hotel machte sich so langsam die Kombination aus Bier und Müdigkeit bemerkbar. Wir waren echt froh, dass sich in der gegenüberliegenden Mall ein TESCO-Supermarkt befand und wir dort unsere Reserven wieder auffüllen konnten. Jetzt hatte ich so häufig von TESCO und den angebotenen Backwaren in der Apokalypse Wurst gelesen und durfte mir heute das erste mal selbst einen Überblick verschaffen. Und ja, ich war wirklich von Auswahl und Qualität der Backwaren begeistert…

Vom Hotelfenster aus konnte man dann das zuvor erworbene Bier genießen und sich das Kommerzgeplänkel anschauen. Carlsberg bot Spiele mit ferngesteuerten Autos und einen Tischkicker zur Belustigung der Zuschauer an. Wer es braucht…

Wir machten uns eine Stunde vor Anpfiff aus dem Hotel und umrundeten das überschaubare Stadionareal. Dabei viel uns der ziemlich herunter gekommene Bereich hinter der Gegengerade auf. Ganz schön schäbig im Vergleich zum Rest des Stadions. Das Stadion besteht nur auf der Haupttribüne aus zwei Rängen und war, auf Grund der Holzverkleidung an der Decke, schon ein kleines Schmuckkästchen. Auch wenn mir moderne Stadien generell nicht so gut gefallen, fand ich es hier erstaunlich nett. Unsere Plätze befanden sich in Block 111 auf Höhe der Eckfahne, unmittelbar neben dem Block der Schweden. Der portugiesische und deutlich kleinere Fananhang verfolgte das Spiel linksseitig des VIP-Bereichs auf der Haupttribüne.

Die Stimmung der Schweden wusste durchweg zu überzeugen. Für ein Länderspiel, und dann noch für das der U21, war die Stimmung durchweg auf hohem Niveau. Teilweise gelang es sogar den ein oder anderen Wechselgesang anzustimmen. Auf dem Rasen gab allerdings zunächst das portugiesische Team den Ton an. Der Favorit, der Deutschland zuvor im Halbfinale 5:0 besiegt hatte, erarbeitete sich zahlreiche gute Chancen und scheiterte häufig an Patrik Carlgren, einem schwedischen Abwehrspieler oder der Latte. In Halbzeit zwei kam Schweden allerdings immer mehr ins Spiel und konnte durch clever vorgespielte Konter immer wieder Nadelstiche setzen. Die letzten beiden Großchancen in Spielminute 85 und 88 gingen dann allerdings wieder auf das Konto der Portugiesen. Wie die regulären 90 Minuten blieben aber auch die 2x 15 Minuten Verlängerung torlos.

Das Elfmeterschießen wurde zu unserer Freude auf das vor uns liegende Tore ausgetragen. Nachdem Ludwig Augustinsson die Schweden mit seinem Elfmeter 3:2 in Führung brachte, konnte Carlgren gegen Ricardo Esgaio parieren. Aber auch das portugiesische Gegenüber, José Sá vereitelte im Anschluss den schwedischen Elfmeter. Somit stand es weiterhin 3:2. Den entscheidenden Elfmeter legte sich William Carvalho auf den Punkt. Doch erneut blieb Calgren Sieger im Duell gegen einen portugiesischen Schützen. Endstand 4:3. Somit stand fest, dass der neue U21 Europameister aus Schweden kommt.

Noch lange wurde die Mannschaft und der Spieler des Spiels, Patrik Calgren, von den mitgereisten Fans gefeiert. Nach der Siegerehrung brauchten wir dann keine drei Minuten, um von unserem Sitzplatz in das Hotelzimmer zu kommen. Bei einem letzten Bier wurde der Abend dann ganz entspannt ausklingen gelassen…
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Originalbericht vom Groundhopping

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