Langweiliges Spiel, schöne Landschaft


Um mit dem Bericht zu beginnen muss man dieses Mal etwas längerausholen. Nachdem irgendwann im Sommer 2011 die Gruppenauslosung für die WM Quali 2014 feststand war mein erster Gedanke: Sehr schöne Reiseziele: Wien: Immer eine Reise wert (auch wenn es jetzt auch erstmal reicht), Schweden: wollte ich nach 2010 ohnehin gerne mal wieder hin, Dublin: Ein Muss!, Färöer: nach 10 Jahren wieder mal sehr reizvoll. Lediglich Kasachstan hatte ich für mich ausgeschlossen.

Konkreter wurde das Ganze dann im Sommer 2012, als wir aber gefrustet feststellen mussten, dass eine Anreise in Eigenregie wenig Sinn macht, da dies a.) sehr teuer werden würde und nur über den Umweg Dänemark laufen kann und b.) es absehbar war, dass es Ticketprobleme geben könnte.

So kam es uns ganz recht, dass Ansgar und Heiko eine Tour zum Hinspiel in Hannover anboten, mit der Option dann ggf. beim Rückspiel dabei sein zu können, auch wenn wir immer noch befürchteten, dass ein Charterflug unseren finanziellen Rahmen sprengen könnte. Doch als das Angebot kam und man für „nur“ 499 € die Reise buchen konnte (dazu sei gesagt: Vor 10 Jahren kostete der Spaß bereits 660 € und von Dänemark wäre man auch nicht günstiger geflogen), entschlossen wir uns mit 3 Leuten der FdF Hessen, Außenstelle Nordhessen, an dem Trip teilzunehmen, zumal ich unbedingt dabei sein wollte, nachdem ich 10 Jahre zuvor bereits mit dabei sein durfte. Und so traf ich mich am Morgen des 10.09. um 6.00 Uhr mit Stefan und unserem Fahrer Florian, um uns auf den Weg in Richtung Köln zu machen, von wo aus dieses Mal zentral abgeflogen wurde.

Begleitet waren die Vorbereitungen von den üblichen Kommentaren im Bekannten- und Kollegenkreis, für die es immer wieder unbegreiflich erscheint, wie man sich so etwas nur „antun“ kann. Aber mittlerweile hat man sich ja daran gewöhnt, auch daran, dass diese dann im kommenden Sommer wieder mit ihren Blumenketten und Autofähnchen auftrumpfen werden…

Die Anreise zum Flughafen verlief reibungslos und wir erreichten diesen nach rund zweieinhalbstündiger Fahrt gegen 8.45 Uhr. Im Flughafen selbst nahm uns direkt Tom von der Sektion Rheinland in Empfang, um uns mit Fanutensilien auszustatten. Auch der Check Inn verlief reibungslos, so dass wir uns noch einige Kaltgetränke gönnen konnten, bevor es zum Boarding ging. Die erste Frage, die sich uns stellte, wie in dieses kleine Etwas ca. 100 Leute passen sollten. Aber auch hier konnte schnell Entwarnung gegeben werden und so hoben wir pünktlich Richtung Schafsinseln (denn genau das heißt „Färöer“ übersetzt) ab. Auch wärend des Fluges lief alles, trotz kleinerer Turbulenzen, sehr reibungslos. Vor allem die Landung hatte ich wesentlich dramatischer als dieses Mal in Erinnerung.

Nach der Landung ging es direkt zu den auf uns wartenden Bussen. Waren beim letzten Mal noch einige enttäuscht, dass sie keinen Stempel der Färöer in ihren Pass bekamen, so kann dieses Mal berichtet werden, dass eine Passkontrolle überhaupt nicht stattfand. Offensichtlich waren wir alle sehr vertrauenserweckend…!?

Da der Flughafen Vagar auf einer anderen Insel als die Hauptstadt Torshavn liegt, mussten wir noch eine einstündige Busreise hinter uns bringen. Während der Fahrt stand uns ein Reiseführer von den Färöern zur Verfügung, der meines Erachtens nach eine Ähnlichkeit zu Harry Wijnvoord hatte. Und obwohl wir irgendwie nur die Hälfte von dem was er sagte verstanden, haben wir uns total schlapp gelacht, weil er einfach nur irgendwie lustig war, zumal er teilweise als Einziger über seine Witze lachen konnte.

Nach einer Stunde Fahrt, vorbei an Schafen und einer sensationell schönen Landschaft, erreichten wir das Stadion in Torshavn. Dort wurden wir direkt von der Polizei in Empfang genommen, die uns in die Stadt begleitete. Diese zeigte sich aber mehr als locker und man verbrachte den Weg in Richtung Innenstadt damit, lockere Gespräche mit den Polizisten zu führen. Auch wenn es in Deutschland manchmal nicht anders möglich scheint, so kann sich doch der ein oder andere Polizist an deutschen Stadien von dem Verhalten dieser Herren eine Scheibe abschneiden.

Freundlicherweise geleitete man uns direkt in den Irish Pub am Hafen. Dort holte uns dann die Realität bezüglich der Bierpreise auf den Färöern ein. Zahlten wir beim letzten Mal noch ca. 7 € für ein 0,5er Bier, gab es dieses Mal drei ganze 0,3er Bier für 20 €… Lang hielten wir es dort auch nicht aus, zumal die Sonne nach draußen lockte. Überhaupt: Beim letzten Mal hatte es nur geregnet, während man dieses Mal aufgrund des Sonnenscheins teilweise nicht wusste, ob man in Monaco oder auf einer Insel, wo es an 300 Tagen im Jahr regnet, ist. Offensichtlich handelt es sich aber um ein einmaliges Wetterphänomen, denn wie uns zugetragen wurde, ist das dieses Jahr der bislang wärmste September aller Zeiten auf den Färöern.

Aufgrund der Sonne zog es uns direkt auf einen Steg im Hafen, wo es dann auch gleich Bier zum Freundschaftspreis von nur 5 € gab. Das kann natürlich auch daran gelegen haben, dass unsere Betreuer Ansgar und Heiko, die sich ebenfalls dort verköstigten, einen Spezialpreis für uns ausgehandelt hatten!? Jedenfalls hieltn wir es dort 2 Stunden bei strahlendem Sonnenschein aus und nachdem die dieses Mal separat Reisenden Harald, Jürgen und Rita bei uns vorbeigeschaut hatten, zog es uns dann doch Richtung Stadion, zumal wir auch noch etwas essen wollten, während einige es vorzogen, noch einen Leuchtturm zu besichtigen.

Zwar tönte gerade Florian immer, dass er unbedingt mal die einheimische Delikatesse Papageientaucher probieren wollte, doch letzten Endes zog es uns dann doch wieder in ein amerikanisches Burgerrestaurant, was sich in unmittelbarer Umgebung zum Stadion befindet. Nachdem wir noch bei einer Tanke die letzten Biervorräte wegkauften, begaben wir uns ins Stadion, was allerdings eher eine Bezirkssportanlage glich, was auch am derzeitigen Umbau liegt.

Die Story des Spiels ist schnell erzählt: Zwar mühten sich die tapferen Gastgeber bis aufs Letzte, haten aber unterm Strich keine Mittel, gegen eine ihr Pensum abspulende deutsche Elf. Nach dem 1-0 durch Mertesacker in Halbzeit 1 stand eigentlich immer fest, wer das Feld als Sieger verlassen würde. Und so war es teilweise interessanter, zu beobachten, wie Dachdecker, mit bestem Blick aufs Spielfeld, das Dach eines Nachbargebäudes deckten. Die spannendste Frage für den Rest des Abends war, ob sie mit dem Dach bis Spielende fertig werden würden. Dies schafften sie allerdings nicht ganz…

So langweilig wie das Spiel war auch die Stimmung auf den Rängen. Da man immer den Eindruck hatte, dass es mehr um ein Freundschaftsspiel handelte, dass man abspulen musste, als um ein heißes WM-Quali-Spiel, hielt sich auch die Stimmung deutlich in Grenzen. Auf dem Feld beseitigten dann Özil (per Elfer nach Foul an Müller) und Müller letzte Zweifel am Sieg. Wie gesagt war das Spiel zwar kein Knaller, warum man aber nach einem 3-0 sich noch beschweren muss, dass es kein 8-0 wurde erschließt sich mir persönlich nicht, zumal wenn man bedenkt, wie man sich hier vor 10 Jahren einen zurechtgegurkt hat und erst Klose und Bobic in den letzten 2 Minuten ein schmeichelhaftes 2-0 herausschossen.

Unterm Strich stehen 3 Punkte, nach einem nie gefährdeten 3-0 Sieg – um mehr kann es dort einfach nicht gehen. Und so blieb unterm Strich das Fazit von Ansgar, dass man solche Spiele eigentlich nicht braucht, aber man sich diese alle 10 Jahre mal antun kann. Nach dem Spiel ging es unmittelbar zum Flughafen, wo die Passkontrolle wieder äußerst professionell durchgeführt wurde… ;-) Nachdem man dann auch die Passagierliste gecheckt hatte und auch der Letzte an Bord war, ging es 20 Minuten früher als geplant zurück Richtung Köln.

Dort kamen wir gegen 3.20 Uhr an und stellten fest, dass das Wetter auf den Färöern um Klassen besser war, als zu Hause. Nach zweieinhalb Stunden Heimfahrt durch strömenden Regen waren wir gegen 6.00 Uhr nach 24 Stunden wieder zu Hause. Es war mal wieder eine sehr gut organisierte Fahrt und mein Dank gilt zum wiederholten Male allen vom Orga Team. Unterm Strich schließe ich mich dem Fazit von Ansgar an: „Es war eigentlich langweilig, aber alle 10 Jahre kann man es ja mal machen…“ In diesem Sinne freue ich mich bereits auf die WM Quali 2024, denn rein landschaftlich sind die Färöer immer eine Reise wert.