Sascha Hehn wird neuer Traumschiff Kapitän, Auswärtssieg und „Guiness schmeckt wie kalter Kaffee“


Wie vielen Anderen war auch mir bereits am Tag der Auslosung zur WM-Qualifikation klar, welches Auswärtsspiel das absolute Muss ist – komme, was wolle… Mit Florian, Danny und Stefan fanden sich auch schnell 3 weitere Reisewillige, so dass wir bereits frühzeitig die Planungen abschließen konnten.

Am 11.10.2012 war es dann endlich soweit und nach einer gefühlten Ewigkeit konnte der Trip in die irische Hauptstadt endlich beginnen. Das Schöne an solchen Touren ist, dass man mittlerweile durch mehrere andere Fahrten diverse Kontakte geknüpft hat und so immer wieder auf das ein oder andere bekannte Gesicht trifft. Tags zuvor erfuhren wir dann auch, dass Carsten den Flug gemeinsam mit uns antreten würde und auch mit weiteren bekannten Gesichtern in Dublin zu rechnen sein würde. Nachdem man sich bereits auf dem Weg zum Flieger ausreichend gestärkt hatte, hoben wir rechtzeitig in Frankfurt ab. Auf dem Flug erfuhr ich dann durch unsere geliebte Bild Zeitung, dass Sascha Hehn der neue Traumschiff Kapitän wird. Somit ging ein lang gehegter Wunsch von mir in Erfüllung, denn seit ich ihn als Kind erstmals als Steward gesehen hatte, wünschte ich mir, dass er diesen Posten eines Tages bekommt. Endlich hatte das ZDF mein jahrelanges Flehen erhört. :-) Aber da der geneigte Leser meiner Reiseberichte sich dafür wahrscheinlich genausowenig interessiert, wie meine Mitreisenden im Flieger (Banausen!!! ;-)), berichte ich lieber weiter von den wirklich wichtigen Dingen…

Ohne größere Zwischenfälle (außer einigen kleinen Turbulenzen) erreichten wir dann Dublin. Es ist übrigens erschreckend mit anzusehen, wie mittlerweile 80% der Fluggäste (den Verfasser dieser Zeilen eingeschlossen) reagieren, wenn ein Flieger gelandet ist: Smartphone raus, nach WLan suchen und Posten, wo man sich gerade befindet. Das hat allerdings auch den Vorteil, dass man mittlereile getrost auch Mal seine Reisegruppe verlieren kann, ohne in Panik verfallen zu müssen, diese nie mehr wiederzufinden. Ein Blick bei Facebook, ein bisschen Route googeln und schon hat man den Pub gefunden, in dem sich alle Mitreisenden befinden. Schöne neue Welt…;-) Am Flughafen angekommen zogen wir es vor, mit dem Taxi in die Stadt zu fahren, da dieses uns direkt am Hotel abliefern konnte, kurioserweise ab bei 4 Mitfahrern günstiger war, als ein Busticket. Unsere Lodge ließ sich zwar nicht mit den Unterkünften der Hotels in Posen oder Istanbul vergleichen, so schlimm, wie in Lemberg war es dann aber auch nicht und für 2 Nächte und 50 € war diese wirklich ok. Womit ich mich allerdings nie anfreunden werde und was ein ewiges Kuriosum für mich bleiben wird, sind die getrennten Wasserhähne von Warm- und Kaltwasser. Auch die Waschbeckengröße war, sagen wir es Mal vorsichtig, gewöhnungsbedürftig.

Nachdem die Zimmer bezogen waren, wollten wir uns ins Dubliner Nachtleben stürzen. Und wie sicherlich 99% der anwesenden Deutschen zog es uns in Richtung Temple Bar. Dort angekommen stellten wir fest, dass offensichtlich fast ausschließlich Deutsche dort anzutreffen waren. Wohin man auch ging, überall sah man deutsche Trikots, wobei sich mir immer noch nicht ganz erschließt, warum zum Spiel bei den „Boys in Green“ mit den grünen Auswärtstrikots anreist!? Unsere Farben sind weiß-schwarz, auch wenn mir noch so viele Merchandising Versuche etwas Anderes einreden wollen. Ich persönlich liebe es, wenn in Kneipen Live Musik geboten wird. Am Besten ein runtergekommener Typ, mit Gitarre in der Ecke und Whiskeystimme. Und wer das auch liebt, wird in Dublin sicherlich niemals enttäuscht werden, denn genau diese Typen gibt es dort in jedem Pub. Nachdem wir uns zunächst nicht wirklich auf einen Pub festlegen konnten (was u.a. auch daran lag, dass sie im Bereich Temple Bar komplett überlaufen waren), landeten wir irgendwann in „The Old Storehouse“, wo sich auch schon die gesamte Sektion Mitteldeutschland und Heiko aus Berlin eingefunden hatten. Dort stießen dann auch Marcel und Carsten wieder zu uns, die es vorzogen, sich auf Guiness festzulegen, während meine Mitreisenden sich offensichtlich zum Ziel gesetzt hatten, jedes Bier, was feilgeboten wurde, auch zu probieren, was bei bis zu 25 Zapfhähnen ein unmögliches Unterfangen bleiben sollte. Bei aller Liebe, die ich zu der Kneipenkultur in Dublin entwickelt habe, muss ich persönlich allerdings für mich festhalten, dass ich den Hype um das Guiness nicht nachvollziehen kann. Und auch wenn mir Carsten nach dem Lesen dieser Zeilen sicher irgendwann den Kopf abreißen wird: Wenn ich einen kalten Kaffee trinken will koche ich mir einen und stelle ihn anschließend eine Stunde in den Kühlschrank. :-D Mir persönlich war auch die Temple Bar viel zu überlaufen, aber wer es mag… Nichtsdestotrotz ließen wir uns dort noch einige Biere schmecken und da auch der oben beschriebene Typ Sänger sein Bestes gab (incl. die englische Version von „An der Nordseeküste“ – sensationell!!!), war es auch ein rundherum gelungener Abend.

Wie sich am nächsten Morgen herausstellte, erlangte ich wieder einmal die Erkenntnis, dass es manchmal einfach besser ist, die Klappe zu halten. Denn ich hatte kurz vor Toreschluss nichts Besseres zu tun, als Danny daran zu erinnern, dass er unbedingt einen Whiskey zu sich nehmen wollte. Das Fatale daran war auch nicht, dass er einen trank, sondern meine Mitreisenden dies als verbindliche Bestellung eines Whiskey für jeden verstanden… Dieses Teufelszeug hat mir derart zugesetzt, dass ich am nächsten Morgen sogar auf das gute irische Frühstück verzichtete und es vorzog eine Stunde länger im Bett zu bleiben. Für den Morgen hatten wir uns vorgenommen, uns in Richtung Croke Park aufzumachen. Dieser ist mit über 80.000 Zuschauern Fassungsvermögen immerhin das viertgrößte Stadion Europas. Auf dem Weg dorthin befand sich erfreulicherweise auch ein amerikanisches Schnellrestaurant, wo auch ich dann endlich mein Frühstück einnehmen konnte. Danach ging es mir dann auch deutlich besser und so stand einem weiteren guten Tag nichts mehr im Wege. Apropos gut: Das Wetter war, entgegen aller Prognosen von diversen Bekannten, ein Traum. Wir hatten 3 Tage lang Sonnenschein (abgesehen von 2,3 ganz kurzen Schauern, die aber kaum erwähnenswert sind).

Am Croke Park angekommen entdeckten wir die nächste Eigenheit britischer/irischer Stadion: Das Stadion befindet sich mitten in einem Wohngebiet und es gibt rund ums Stadion keinen einzigen Parkplatz. Man überlege, was in Deutschland los wäre, wenn bei einem 80.000 Zuschauer Stadionneubau nicht ein einziger Parkplatz (außer Tiefgarage) mit eingeplant würde und dieses mitten in einem Wohngebiet bauen würde… Es dauerte dann auch einige Zeit, bis wir endlich den Eingang fanden. 12 € für eine anderthalbstündige Stadion- und Museumsbesichtigung (wohlgemerkt: Museum of Galic Football), die erst eine Stunde später beginnen sollte, erschien uns dann aber doch zu teuer und so zogen wir es vor, uns wieder Richtung Innenstadt aufzumachen. Da uns der Weg dorthin endlos lang vorkam und plötzlich ein Pub vor uns auftauchte, beschlossen wir kurzfristig einzukehren. Dort trafen wir dann auch auf erste irische Fans. Auch hier zeigte sich schon, dass es keine Legende ist, dass die Iren einfach ein nettes, offenes Volk sind. Sofort kam man auf uns zu und jeder wünschte einem ein ehrlich gemeintes „Good Luck“. Nur, dass sich die Meisten von ihnen bereits vorher in ihr Schicksal ergaben, erschien uns schleierhaft und verwunderte uns auch ein bisschen. Die Tipps der Iren schwankten zwischen 0-3 und 0-5, was uns etwas zu negativ gedacht schien…

Nach dem Genuss von einigen Pint Bier zogen wir weiter Richtung Innenstadt. Da wir auf dem Weg dorthin an der S-Bahn Station vorbeikamen, kauften wir auch gleich Hin- und Rückfahrtickets zum Stadion (dass nach dem Spiel gar keine Bahn fuhr, bzw. alle Bahnzugänge gesperrt waren konnten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen…) Da uns Temple Bar bereits am Vorabend zu überlaufen war, bevorzugten wir es einen Pub am Rande der Temple Bar aufzusuchen. Zwar gab es hier keine Live Musik, aber immerhin noch freie Plätze an der Theke, so dass man problemlos sein Bier ordern konnte. Von dort aus begaben wir uns direkt zum Stadion. Und wieder einmal gibt es Kurioses zu berichten: Zwar sollte die Bahn direkt bis zum Stadion fahren, trotzdem mussten alle bereits an der ersten Station aussteigen und eine auf eine weitere Bahn warten, die uns dann aber sicher Richtung Aviva Stadion brachte. Vor dem Block traf man weitere bekannte Gesichter wie Rita, Jürgen, Jens, Klaus, Sascha und Marc, die dieses Mal alle auf eigene Faust angereist waren.

Das Stadion selbst konnte bei mir nicht ganz so punkten, wie bei manch einem Mitreisenden. Dass man in den Reihen 1-5 auf Höhe Grasnarbe steht, ist auf der Insel einfach so und noch hinnehmbar (auch wenn ich es nicht mag, da die Übersicht über das Spiel einfach nicht vorhanden ist). Dass aber 3 volle Tribünen gebaut werden, während eine Hintertorgerade gerade Mal ca. 10 Reihen hat, ist allein schon aus stimmungstechnischen Gründen, gelinde gesagt, nicht gut. Allerdings kann dies auch dem Wohnblock, der sich gerade Mal 20 Meter hinter dem Gästeblock befindet, geschuldet sein!? Die Darbietung der Hymne durch eine Dudelsackkapelle war dann auch sehr gewöhnungsbedürftig. Das Spiel selbst ist schnell erzählt: Nach 30 Minuten Anlaufschwierigkeiten fegten wir völlig überforderte Iren mit 6-1 vom Platz. Was aber eine einzige Enttäuschung war: Die Stimmung auf beiden Seiten. Bei deutschen Toren wurde kaum gejubelt, sondern es wurde lediglich ein Klatschen wie beim Tennis festgestellt. Den schlechten Support an sich möchte ich noch mit den schlechten Blockverhältnissen entschuldigen, aber dass man sich nach einem Tor nicht Mal mehr richtig freut, sondern applaudiert, wie in der Oper, hat mich doch erschreckt. Die Frage ist hier auch, ob es nur am Block lag, an der deutlichen Überlegenheit (die eigentlich Grund zur Freude sein sollte) oder aber daran, dass mittlerweile auch bei Auswärtsspielen eine Art Tourismus festzustellen ist und das Publikum dem von Heimspielen immer ähnlicher wird. Es ist halt weiterhin „in“, zur Nationalmannschaft zu gehen und noch „inner“ ist es, die Mal schnell in Dublin zu besuchen, „weil man so gut hinkommt“ und überhaupt…

Eine fast noch größere Enttäuschung war die (Nicht-) Stimmung des irischen Anhangs. Was hatte man nicht alles gehört von der Euro bzw. im Fernsehen selbst gesehen? Die Presse und auch unser FCN überschlugen sich förmlich in der Findung von Superlativen für die Sangeskünste der irischen Fans (wobei die Überreichung eines goldenen Megafons ebenfalls etwas merkwürdig daher kommt, denn das haben die sicherlich auch bei der Euro nie benutzt…). Und dann?!? An diesem Abend kam nicht nur „fast nichts“, es kam „überhaupt nichts“. Hatte man nach dem 0-4 gegen Spanien bei der Euro noch alles in Grund und Boden gesungen, so verfolgte man dieses Mal lautlos, fast schon apathisch, wie die eigene Elf in ihre Einzelteile zerlegt wurde. Lediglich einige Schulkinder rechts über dem deutschen Block gaben bis zum Schlusspfiff alles. Offensichtlich hat auch dort eine Art „Fußballtourismus“, wie sie bei uns seit 2006 gang und gäbe ist, eingesetzt… Nach dem Spiel wollten wir schnell zurück Richtung Hotel, da wir e vorzogen, dort einen Pub aufzusuchen. Nur mit schnell war nichts. Alle S-Bahnhöfe waren gesperrt, Busse fuhren überhaupt nicht und zu allem Überfluss gab es in den auf dem Weg liegenden Supermärkten kein Bier mehr. Irgendwann fanden wir dann doch ein freies Taxi, das uns Richtung Hotel fuhr. An einer roten Ampel 500 Meter vom Hotl entfernt entfuhr mir dann ein „Stopp! We will leave you here!“ Wir hatten einen typisch irischen Pub an einer Straßenecke entdeckt (John Doyle Lounge). Und beim Betreten desselben war sie dnn wieder da: Diese typische irische Freundlichkeit. Bei Betreten des Pubs erhoben sich alle dort Anwesenden und spendeten uns spontan Beifall, während die Musiker gleich Mal ein Ständchen intonierten. Ich stelle mir gerade vor, was umgedreht der Fall wäre, wenn uns ein Gegner so aus dem Stadion geprügelt hätte und dann hätten diese Fans „die Frechheit“ ein Eckkneipe in Fan Klamotten zu betreten… Hier war das genaue Gegenteil festzustellen: Wir wurden sogar noch mit irischen Fan Utensilien beschenkt. Ein weiterer Vorteil war auch, dass das Bier hier deutlich günstiger war, als in Temple Bar. ;-) Doch auch dieser Abend fand irgendwann sein (spätes) Ende.

Da unser Rückflug bereits am frühen Sonntagmorgen ging und wir bei den Planungen vorgesehen haben, die letzte Nacht in Temple Bar/am Flughafen zu verbringen, checkten wir bereits am nächsten Morgen aus. Aber auch hier bot uns das Hotelpersonal, nachdem wir von unserem Vorhaben berichtet haben, sofort an, dass wir unser Gepäck selbstverständlich bis tief nachts noch dort verstauen könnten und es erst auf der Fahrt zum Flughafen abholen müssten. Nachdem wir wieder „auswärts“ frühstückten, zog es uns dann, trotz aller geschmacklichen Bedenken in Richtung Guiness Brauerei. Zu verlockend war die Aussicht vom Dach der Brauerei in einem Glaskasten einen Blick über die Stadt bekommen zu können. Und irgendwie gehört es dann ja doch dazu. Nachdem wir eine Stunde angestanden hatten, waren wir dann auch endlich drin. Jeder, der sich für die Herstellung von Bieren interesiert, sei die Besichtigung empfohlen. Uns dauerte es dann doch etwas lang und so übersprangen wir einige Etagen und gönnten uns ein Guiness in dem Glasrondell über den Dächern der Stadt. Zwar schmeckte das Bier immer noch wie Kaffee, aber immerhin hatte man eine fantastische Aussicht auf die Stadt, wenn einem nicht gerade irgendwelche „jetzt komme ich und deshalb mache auch nur ich jetzt meine Fotos“ –Typen einem die Sicht nahmen…

Nachdem wir uns aber auch hier dann irgendwie durchsetzen konnten, gingen wir mit diesen Eindrücken zurück in Richtung Stadt, natürlich nicht, ohne noch vorher an „The Brazen Head“, der ältesten Kneipe Irlands, vorbeizuschauen. Da es uns dort allerdings zu voll war, begaben wir uns in ein nettes Lokal direkt gegenüber, wo wir uns ein ordentliches Abendessen gönnten und so gestärkt zog es uns an unserem letzten Abend nochmal Richtung Temple Bar, während sich andere Mitreisende noch das Heimspiel von den Shamrock Rovers gegen Derry City gönnten. Da bei einigen Mitfahrern langsam das Geld knapp wurde, begaben wir uns nochmal zur Bank of Ireland, was sich sehr gut traf, lag diese doch direkt neben dem Pub vom Vortag… Da wir aber am letzten Abend noch etwas Musik genießen wollten und Danny unbedingt noch ein paar Mitbringsel für zu Hause brauchte, zog es uns doch wieder in Richtung Temple Bar und letztendlich landeten wir wieder im „Storehouse“, wo wir den Abend ausklingen ließen, bevor uns das Taxi in Richtung Hotel und Flughafen kutschierte.

Dort verbrachten wir noch harte 4 Stunden, bevor endlich der Flieger gen Frankfurt ging. Nachdem wir wohlbehalten wieder in Frankfurt ankamen und endlich auch einen Zug gen Heimat fanden waren wir gegen 14.30 Uhr wieder zu Hause, bevor es 2 Tage später wieder nach Berlin zum nächsten Spiel gehen sollte. Ein wunderbarer Trip mit superfreundlichen Gastgebern lag hinter uns und ein weichenstellendes Spiel, wo wir für die Vorentscheidung Sorgen wollten lag vor uns. Was daraus wurde ist mittlerweile hinlänglich bekannt und es sieht danach aus, als sollten wir jetzt ein Jahr Anlaufzeit für das entscheidende Gruppenspiel haben. Dennoch kann auch dieses frustrierende Erlebnis unsere positiven Eindrücke des Irlands-Trips nicht nehmen. Ein wunderbares Land, mit einer herrlichen Kneipenkultur und superfreundlichen Leuten – hierher werde ich ganz sicher eines Tages, egal ob zum Fußball oder nicht, wieder zurückkehren.