3 Punkte und die Frage „Können einem 3 Punkte eigentlich peinlich sein?“


„Bitte nicht schon wieder Wien…“, so oder so ähnlich dürfte es den Meisten gegangen sein, als die WM-Qualifikation 2014 ausgelost wurde. Nach gefühlten 10 Spielen seit der Euro 2008 hoffte man endlich Mal auf andere Gegner. Aber das Schicksal oder besser Ronaldo hatten etwas dagegen und das Los bescherte uns erneut ein Auswärtsspiel in der Hauptstadt unseres „geliebten“ Nachbarlandes.

Zwei Dinge waren klar: „Wir fahren trotzdem hin!“ aber auch „Lass uns gucken, womit wir das verbinden können.“ Nach kurzer Überlegung kamen Timo und ich (alle Anderen hatten wohl wirklich keine allzu große Lust mehr erneut nach Wien zu fahren…!?) auf die Idee, dass man das Ganze mit einer Fahrt nach Bratislava verbinden kann, da dies nur rund 60 Kilometer entfernt liegt und ich es bislang nicht geschafft habe, einmal dort zu sein. Gesagt, gebucht! Allerdings wählten wir als Abfahrtstag Samstag, den 08.09.2012, was soweit nicht schlimm gewesen wäre, wenn nicht einen Abend vorher das Spiel in Hannover gegen die Färöer und gleichzeitig bei uns Kirmes gewesen wäre. Irgendwie schafften wir es trotzdem gegen 6.35 am Bahnhof zu sein und uns Richtung slowakischer Hauptstadt zu begeben.

Nach kurzer Stärkung in Würzburg (der Laden gegenüber vom Hauptbahnhof ist wirklich zu empfehlen, da 1.) günstig und 2.) qualitativ hochwertig) ging die Fahrt recht unspektakulär weiter. Das Einzige was störte, aber auch gleichermaßen amüsierte, was ich aber auch nie wirklich verstehen werde, wie orientierungslos sich manche Leute beim Besteigen eines Zuges benehmen können und es dann von Würzburg bis Nürnberg nicht schaffen, ihren richtigen Platz/den richtigen Wagen/die richtige Klasse zu finden. Das Gleiche Schauspiel wiederholte sich bei jedem Stopp. Unfassbar, aber wie gesagt auch sehr unterhaltsam, was uns und die älteren Damen hinter uns, die „ebenfalls nach Wien fahren, um eine Donaukreuzfahrt zu starten“ gleichermaßen amüsierte. Die Krönung von allem war die Doppelbuchung eines Platzes, als die Fahrgäste tatsächlich noch das Angebot des Schaffners ablehnten, die 1. Klasse kostenlos nutzen zu können. Antwort: „Wir gehen hier nicht weg, wir haben hier gebucht!“ Nach meiner Frage, wie man nur so verbohrt und stur sein kann, war ich dann sehr froh, darüber, dass Blicke noch nicht töten können…;-)

Ohne weitere Zwischenfälle und nur unterbrochen durch einige Besuche im Bord Bistro erreichten wir dann erstmals Wien, von wo aus es aber direkt weiter nach Bratislava ging. Der Aufenthalt dort lässt sich kurz zusammenfassen: Sehr hübsche Altstadt (was mir vorher gar nicht so bewusst war) und sehr konsumfreundliche Bierpreise. Egal, was wir auch „versuchten“: Es gelang uns einfach nicht eine Kneipe zu finden, in der ein 0,5er Bier mehr als 1,80 € kostete. ;-) Auch die Essenspreise waren, vor allem, wenn man die Größe der Portionen berücksichtigt, im Vergleich zu deutschen Preisen noch äußerst moderat. Unser Hotel, was direkt am Rande der Altstadt an der Donau unterhalb der Burg lag, ließ ebenfalls keine Wünsche offen. Jedenfalls habe ich noch nie für 24 € in einem 4-Sterne-Hotel incl. Frühstück übernachtet.

Da wir uns keinerlei Fußballspiele oder sonstiges Rahmenprogramm vorgenommen hatten, spulten wir in den nächsten Tagen das „ganz normale Touri-Programm“ mit Donaurundfahrt zur Burg Devin, Altstadtrundgang und Burgbesichtigung ab. Fazit (auch wenn man ggf. dafür belächelt werden sollte): Bratislava ist jederzeit einen Besuch/eine Durchreise wert und ich werde ganz sicher irgendwann wieder Mal dort hinfahren. Einzig die „Karate-Kids“, also eigentlich war es der Kickbox-Nachwuchs aus halb Europa, die in diesen Tagen dort Wettkämpfe austrugen, nervten etwas. Aber das war verkraftbar und wir ließen sie in Ruhe, zumal wir nicht wussten, wie gut ausgebildet sie bereits waren…;-)

Nach 3 Tagen Bratislava stand dann am Spieltag die Reise nach Wien an. Unser Hotel war ruck-zuck gefunden, allerdings warteten wir noch auf meine Eltern, die direkt nach Wien anreisten. Diese können offenbar, im Gegensatz zu mir, nie genug von dieser Stadt bekommen. Ging es beim letzten Mal noch hoch her in der Stadt, so blieb dieses Mal alles ruhig, ich möchte fast sagen zu ruhig. Zwar hatte man schon im Vorfeld gehört, dass es maximal 1.500 Deutsche werden würden, aber dass man selbst auf dem Weg zum Stadion kaum deutschen Fans begegnete, war schon mehr als ungewöhnlich. Allerdings dürfte es hierfür mehrere Gründe geben: Zunächst einmal fand das Spiel dieses Mal unter der Woche statt, Andere hatten anscheinend wirklich die Schnauze voll von Wien und fahren lieber im Oktober nach Dublin, einige scheiterten am Voucherkauf und eine weitere Gruppe, dürfte nach dem EM-Aus immer noch sauer sein. Alles Spekulationen, jedenfalls war ich froh, nachdem wir die üblichen Piefke-Schmähungen und Cordoba Sprüche über uns ergehen lassen mussten (alles aber irgendwie auf eine freundliche Art und Weise – die Erfahrungen Anderer, dass dies in irgendeiner Form bösartig rübergekommen wäre, haben wir jedenfalls in keinster Art und Weise gemacht), zumindest am Stadion auf einige Personen im Deutschland Trikot zu treffen. Und zumindest Einige der „üblichen Verdächtigen“, wie die Sektion Rheinland oder Berlin waren hier anzutreffen. Auch Ansgars Reisegruppe liefen wir förmlich in die Arme. Nach dem Austausch der Erfahrungen der letzten Tage (seit Freitag war aber auch wirklich viel passiert…;-) ) begaben wir uns anschließend zur Voucher-Stelle.

Auch hier kann ich die Erfahrungen mancher Personen vor Ort nicht teilen. Zwar nervte es, sich erneut anstellen zu müssen, um an das Ticket zu kommen, doch trotz längerer Warteschlange hielten wir nach weniger als 5 Minuten unser Ticket in der Hand. Im Block selber merkte man sofort das mangelnde Interesse und das viele Anhänger dieses Mal zu Hause blieben. Gerade Mal ein Sektor im Oberrang war für uns vorgesehen und selbst dieser war nicht annährend ausverkauft. Jedenfalls waren die beiden Reihen vor uns gerade Mal zur Hälfte gefüllt. Auch stimmungstechnisch war an diesem Abend kein Land zu sehen. Zwar hielt sich der Stadionsprecher dieses Mal im Vergleich zu den vorherigen Spielen deutlich zurück (nur ein einziges Mal „Immer wieder Österreich“), dennoch waren uns die Ösis spätestens nach dem obligatorischen Radetzky-Marsch stimmungstechnisch meilenweit überlegen. Hier gilt mein Dank ausdrücklich Tom von der Sektion Rheinland, der dennoch ständig versuchte mit seiner Trommel so etwas wie Stimmung zu erzeugen. Wenn dann von den ohnehin nur knapp 1.200 anwesenden Deutschen 75 % „Touristen“ oder „Blumenkettenträger“ sind, kann man sich vorstellen, wie das endete. Ein letztes Häuflein Aufrechter um ihn herum war eben einfach nur bedingt in der Lage stimmungstechnisch dagegen zu halten.

Wie die deutschen Fans, so war dann auch die Mannschaft. Irgendwie hatte man immer das Gefühl, als seien nicht alle da. Nach teilweise haarsträubenden Fehlern hätten die Ösis bereits zur Pause mit 4-1 oder 4-2 führen müssen. Bedenklich ist vor allem, was unsere Verteidigung derzeit abliefert. Außer Badstuber war diese in diesem Spiel mehr oder weniger ein Totalausfall. Lahm, Schmelzer und Hummels waren ein ums andere Mal die besten Vorbereiter für die Ösi-Chancen. Lediglich ein in Normalform spielender Neuer (gut, auch er hatte eine Riesenklops drin…) und der berühmte Dusel verhinderten eine Schmach. Und ich bleibe dabei, dass es genau das gewesen wäre, auch wenn die Ösis 9 Bundesligaspieler in ihren Reihen hatten. Ein Aufblitzen des Könnens von Reus kurz vor der Pause, ein Elfer von Özil kurz danach genügten, um sehr schmeichelhaft (nein, unverdient gibt es im Fußball immer noch nicht!!!) 2-0 zu führen. Wer weiß, wie das Spiel gelaufen wäre, hätte Götze beim vermeintlichen 3-0 nicht im Abseits gestanden!? Was dann aber folgte, war, zumindest für mich, nicht erklärbar. Die Mannschaft tat alles, um Jogi Löw Recht zu geben, der einem vor dem Spiel weißmachen wollte, was für ein „bärenstarker Gegner“ diese Ösis doch seien. Sorry, sehe ich immer noch anders. Im 1-1 Vergleich sind wir meiner Meinung nach durchweg besser besetzt.

Jedenfalls gelang unserem Team in der Folge nichts mehr und schaffte es in den letzten 35 Minuten nicht ein einziges Mal mehr gefährlich vor das Tor der Gastgeber. Im Gegenteil: Die ohnehin schon sehr unsicher wirkende Verteidigung baute einen am Boden liegenden Gegner (zuvor war es 5 Minuten mucksmäuschenstill im Stadion) wieder auf. Schmelzer ließ sich von Arnautovic regelrecht verarschen, Götze auf außen, Lahm und Neuer in der Mitte kamen zu spät und es stand 2-1. Das Stadion war wieder ein Tollhaus und wie gesagt: Von uns kam gar nichts mehr. Im Gegenteil: Einzig dem Total Blackout von Arnautovic in der 89. Ist es zu verdanken, dass wir doch noch an der Blamage vorbeigeschrammt sind und wieder Mal einen glücklichen Sieg in Wien einfahren konnten. Nach dem Spiel erwischte ich mich dabei, wie sie mir fast ein bisschen leid taten. Aber so weit geht es dann doch nicht… ;-) In der U-Bahn nach dem Spiel die gleichen Reaktionen der Ösis, wie (bislang zumindest) immer: „Warum rennens immer nur gegen eich und gegen Kasachstan gibt’s wieder oan 1-1!?“ „Irgendwann erlebts scho wieder eier Cordoba!“ Fazit vom Spiel: 3 Punkte eingesackt und ganz schnell den Deckel drauf. Jedenfalls ist in Irland eine deutliche Leistungssteigerung vonnöten – sowohl auf, als auch neben dem Platz.

Entgegen dem Vorschlag von Heiko aus Berlin („Wir gehen ins Museum. So ist das, wenn du Frauen mit zum Fußball nimmst. Aber was soll ich machen, meine ist ja die Fanbetreuerin…“:-D:-D:-D) verbrachten wir den Tag nach dem Spiel noch mit ein bisschen Sightseeing in der Stadt und im Prater sowie dem Genuss eines Original Wiener Schnitzels im „Bierometer“ (falls wir in 2 Jahren dann doch wieder hier spielen sollten, kann ich einen Besuch hier nur empfehlen!)

Fazit: Ein rundum gelungener Trip und unterm Strich wurde das Spiel gewonnen. Dennoch werde auch ich bei der Auslosung zur EM-Quali 2016 wohl sagen „Bitte nicht schon wieder Wien!“ ;-) Und um die Frage vom Anfang zu beantworten: Nein, ich glaube Siege sind mir nie peinlich!:-D